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Von Rittern, Knappen, Orden und Fähnlein

(Geschichtlicher Hintergrund)

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Unser Wandervogelbund benutzt Begriffe und Namen, die aus der Geschichte hervorgegangen sind und heute nicht mehr unbedingt zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören. Da uns diese Worte oft leicht über die Lippen kommen, soll an dieser Stelle zu ihrer Herkunft einiges angemerkt werden.

Am umstrittensten dürfte sicherlich der Begriff Fähnlein sein und unkritische Zuhörer neigen leicht dazu, eine Verbindung zur Staatsjugend der NS-Zeit herzuleiten. Damals wurde versucht die Staatsjugendverbände Hitlerjugend und Jungvolk beliebt zu machen in dem man äußere Formen der sehr populären Bündischen Jugend übernahm. Dazu gehörte auch der Begriff Fähnlein als Name für eine einzelne Gruppe.

Tatsächlich stammt aber dieser Begriff aus dem späten Mittelalter. Die bis dahin üblichen Ritterheere zu Pferde wurden von Fußtruppen, die mit überlangen Lanzen und später dann mit Feuerwaffen ausgerüstet waren, verdrängt. Diese Fußtruppen, zuerst bäuerliche Freiwilligenverbände wie die Schweizer Eidgenossen in der Schlacht bei Sempach 1386 und später bezahlte Berufssoldaten (Söldner), scharten sich um ihre Fahne. Der kleinste Truppenteil eines solchen Landsknechtshaufens wurde Fähnlein genannt und unterstand dem Befehl eines Kapitäns, später Hauptmann genannt. Ein Fähnlein zählte ungefähr 300 Mann, also wesentlich mehr Häupter, als wir heutzutage in einer unserer Gruppen vereinen. Im Lauf der Zeit wurde der Begriff Fähnlein durch die Bezeichnung Kompanie ersetzt.

Eine strenge Unterscheidung zweier verschiedener Bedeutungen ist für den Begriff Ritter nötig. Zum einen bezeichnet Rittertum eine Lebenseinstellung und einen Verhaltenskodex, zu dem sich die ganze mittelalterliche Oberschicht bekannte. Daneben wurde mit Ritter auch eine ganz spezielle Bevölkerungsschicht bezeichnet.

Die Ritter, deren Glanzzeit mit dem Aufkommen der Landsknechtheere und der veränderten Kriegsweise jäh zu Ende ging, waren ursprünglich keine Adeligen. Mit Entwicklung des fränkischen und später des deutschen Reiches veränderte sich auch die Zusammensetzung der Heere. Statt der freien Franken und Sachsen, die per Einberufung vom Acker aufs Schlachtfeld befohlen wurden, waren immer mehr gutausgebildete und berittene Krieger notwendig. Es entwickelte sich dadurch langsam ein gegenseitiges Schutz- und Versorgungssystem. Die Bauern brauchten nicht mehr den Acker zu verlassen und versorgten dafür einen aus ihren Reihen, der eine besondere Befähigung zum Waffendienst besaß.

Erst allmählich entwickelte sich aus dem Kreis der Ritter eine eigene Klasse, die sich das Landvolk untertan machte. Die einstmals freien Bauern wurden Hörige und hatten das Eigentum an ihren Ländereien gegen eine Art Pachtverhältnis einzutauschen. Der Reiter (=Ritter) garantierte die Freistellung vom Wehrdienst und den Schutz des Bauern. So wurden aus den Beschützern Großgrundbesitzer und Herren. Parallel dazu verlief eine zweite Entwicklung: Diejenigen der unfreien Landbewohner, die Intelligenz und Geschick an den Tag legten, waren bald zur Verwaltung der Güter von Kirche und altem Adel herangezogen worden. Sie bildeten die Beamtenschicht der Ministerialen, die trotz hoher Stellung unfrei waren. Zusammen mit den Reitern, den Berufskriegern, gelang es ihnen, sich die Gunst und die Abhängigkeit des alten Adels zu Nutze zu machen. Das Ergebnis dieser Entwicklung war die Bildung einer neuen gesellschaftlichen Schicht, des niederen Adels.

Zu Anfang konnte jeder, der die Fähigkeiten und vor allem die Chancen dazu hatte, in diese Klasse aufsteigen, bis sich im 12. Jahrhundert diese Ritterschaft nach unten abschottete. Unter dem Blickwinkel der ritterlichen Tugenden war jeder Adelige ein Ritter oder wollte als solcher gelten. Jedoch war nicht jeder Ritter ein Adliger und wenn, dann nur einer von niederem Adel. Es entfaltete sich nun allmählich eine ritterliche Hochkultur und Blüte, bis im 14. und 15. Jahrhundert durch veränderte Wirtschaftsverhältnisse und Modernisierung der Kriegsführung (Schußwaffen und überlange Stangenwaffen) erst allmählich, dann aber unaufhaltsam ein rasanter Niedergang der Ritterschaft einsetzte. Zuhauf verarmte die Ritterschaft und noch heute ist Armer Ritter, der Name für eine Mahlzeit aus altem, eingeweichtem Brot, darauf zurückzuführen. Viele Ritter tauchten in den Städten unter und tauschten Adelstitel gegen bürgerliche Namen und den Stand des Hungerleiders gegen den wesentlich einträglicheren Stand eines Kaufmanns oder Handwerkers ein. Andere suchten illegale Möglichkeiten, die Kosten eines standesgemäßen Lebens zu bestreiten und so entstand der Beruf des Raubritters.

Betrachten wir nun die andere Bedeutung des Wortes Ritter, nämlich die Bezeichnung für einen bestimmten Lebensstil, für eine Einstellung und Lebenshaltung. In der Blütezeit ritterlicher Kultur wurde dieser Lebensstil durch eine Vielzahl von Zeremonien durch Traditionspflege und dem Ringen um bestimmte ritterliche Tugenden und Ideale geprägt. Im Hochmittelalter gehörte zu den Zeremonien zum Beispiel die Aufschwörung, die durch Zeugen beschworene Feststellung der Ritterbürtigkeit als Nachweis der ritterlichen oder adeligen Abstammung. Üblich wurde die Lehrzeit in der eigenen Familie oder auf einer anderen Burg, die Jahre als Junker und später als Knappe, die vor allem mit der Ausbildung zum Kriegshandwerk, zum Reiten und Jagen, sowie der Unterweisung in christlichem Lebensstil ausgefüllt waren. Völlig zu kurz kam dabei die Ausbildung in praktischer und in geistiger Arbeit - was mußte ein Ritter Lesen oder Schreiben können oder gar die Erträge seiner Bauern berechnen? Dafür hatte man sein Personal, einen Verwalter, Kaplan oder Lehrer. Hin und wieder wandten sich die feinsinnigeren unter ihnen künstlerischen Berufen zu und wurden Dichter oder Komponisten.

Seit dem 14. Jahrhundert wurde es in Deutschland üblich, die Knappenjahre mit einer Weihehandlung abzuschließen, der Schwertleite oder dem Ritterschlag. Dieser Akt fand meist zwischen dem 12. und 20. Lebensjahr statt. Er war gleichzeitig ein bedeutender Rechtsakt, der weit über den reinen Symbolgehalt hinausging. Der junge Mann war jetzt mündig geworden, er war turnierfähig, stiftsfähig, lehensfähig und galt als ebenbürtig im gerichtlichen Zweikampf. Der Ritterschlag war auch Symbol dafür, daß der Ritterstand nicht vererbbar war, sondern immer wieder neu errungen werden mußte. Unseren Vorfahren war es dann auch sehr wichtig, wo ein Knappe seine Ausbildung erhielt und wer ihn zum Ritter schlug. Die Schwertleite war ein großes und wichtiges und damit auch teures Familienfest. Heute wissen wir, daß diese Feierlichkeit oftmals aufgespart wurde und dann, am Vorabend einer Schlacht, in einer Massenveranstaltung stattfand. Der junge Ritter hatte nun standesgemäß zu leben, das heißt, er durfte keinem handwerklichen, kaufmännischen oder bäuerlichen Beruf nachgehen, was in der bereits erwähnten Zeit des Spätmittelalters für die meisten Ritter sehr verhängnisvoll wurde. Und er mußte bei der Wahl seiner Ehefrau sehr genau auf deren Abstammung achten.

In diese Zeit fällt auch die Blüte eines ganz besonderen gemeinschaftlichen Lebensstils, dem Leben in einem Mönchsorden; abgeschieden vom weltlichen Getöse, oft versteckt hinter hohen Mauern. Wie der Name schon sagt, stellten sich die Menschen in den Ordensgemeinschaften unter eine gemeinsame Ordnung und blieben diesem Lebensbund bis zu ihrem Tode treu. Unter der Führung eines Abtes oder eines Priors lebte die Gemeinschaft nach strengen Regeln, betätigte sich oft auf kulturellem, sozialem, medizinischem oder wissenschaftlichem Gebiet und mußte sich sogar in manchen Orden den Lebensunterhalt selber erarbeiten. Aus diesem vielfältigen Klosterleben stammt auch der Begriff "Kapitel". Das heißt genau "kleiner Kopf" (capitulum) und bezeichnete früher die Überschriften in der Bibel und in den religiösen Lesungsbüchern. Später wurde der Begriff auf die zu einer Lesung zusammen gekommene Gesamtheit der Geistlichen einer kirchlichen Einrichtung übertragen und zuletzt wurde er für die Bezeichnung bestimmter Führungskreise verwendet, so zum Beispiel das Domkapitel oder unser Ritterkapitel.

Eine Verbindung klösterlicher und ritterlicher Elemente zu einer Lebensgemeinschaft finden wir in den Ritterorden, die sich während der Kreuzzüge gegründet hatten. Erwähnenswert sind hier die Johanniter bzw. Malteser, die Templer und der Deutsche Orden. Die Ordensritter mußten die drei Mönchsgelübde ablegen Armut, Gehorsam, Keuschheit und darüber hinaus den Kampf gegen die Ungläubigen geloben. Nachdem zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Siegen Napoleons das alte römische Reich deutscher Nation untergegangen war und mit ihm sämtliche Mönchs- und Ritterorden, bestanden Orden nur noch in Form von verschiedenen Geheimbünden. Daneben gründeten einige Fürsten selbst Orden als Mittel der Untertanenehrung, was wesentlich günstiger kam als die Geld- oder Grundbesitzschenkungen der früheren Jahre. Die Mitglieder dieser Orden hatten rein gar nichts miteinander zu tun, sieht man davon ab, daß sie die Aufnahme in diesen Orden als eine Ehrung ihres Landesherren empfangen hatten. Diese Ehrung und Ordensmitgliedschaft wurde mit einem Bändchen oder einem Metallabzeichen nach außen hin dokumentiert. Das ist die Grundlage unserer heute üblichen Orden und Ehrenzeichen.